Oliver Nachtwey | Gekränkte Freiheit

Buchvorstellung und Gespräch am 10. Februar 2023 im THE NEW INSTITUTE

mit dem Autor Oliver Nachtwey und Rahel Süß (Fellow am THE NEW INSTITUTE).

- kostenfrei - mit Anmeldung
Corona-Kritiker mit Blumenketten, Künstlerinnen, die naturwissenschaftliche Erkenntnisse infrage stellen, Journalisten, die sich als Rebellen gegen angebliche Sprechverbote inszenieren: Der libertäre Autoritäre hat Einzug gehalten in den politischen Diskurs. Er sehnt sich nicht nach einer verklärten Vergangenheit oder der starken Hand des Staates, sondern streitet lautstark für individuelle Freiheiten.

Etwa frei zu sein von Rücksichtnahme, von gesellschaftlichen Zwängen – und frei von gesellschaftlicher Solidarität.

Der libertäre Autoritarismus, so Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey, ist eine Folge der Freiheitsversprechen der Spätmoderne: Mündig soll er sein, der Einzelne, dazu noch authentisch und hochgradig eigenverantwortlich.

Gleichzeitig erlebt er sich als zunehmend macht- und einflusslos gegenüber einer komplexer werdenden Welt. Das wird als Kränkung erfahren und äußert sich in Ressentiment und Demokratiefeindlichkeit. Auf der Grundlage zahlreicher Fallstudien verleihen Amlinger und Nachtwey dieser Sozialfigur Kontur. Sie erläutern die sozialen Gründe, die zu einem Wandel des autoritären Charakters führten, wie ihn noch die Kritische Theorie sich dachte. Die Spätmoderne bringt einen Protesttypus hervor, dessen Ruf nach individueller Souveränität eine Bedrohung ist für eine Gesellschaft der Freien und Gleichen: die Verleugnung einer geteilten Realität.

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Veranstalter: THE NEW INSTITUTE | Felix Jud | Suhrkamp

Datum: Freitag, 10. Februar 2022
Beginn: 18.00 Uhr
Ort: THE NEW INSTITUTE, Warburgstraße 18, 20354 Hamburg

Moderation: Marilena Berends (Podcast Sinneswandel) 

Eine Anmeldung via E-Mail ist erforderlich: events@thenew.institute


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Zum Autor

Oliver Nachtwey, geboren 1975, ist Professor für Sozialstrukturanalyse an der Universität Basel.

Er ist Träger des Hans-Matthöfer-Preis 2016. Zuletzt ist bei Suhrkamp sein Buch „Die Abstiegsgesellschaft. Über das Aufbegehren in der regressiven Moderne“ erschienen.

Rahel Süß ist politische Theoretikerin und Alexander von Humboldt-Postdoc-Stipendiatin am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Derzeit arbeitet sie an einer Theorie der digitalen Demokratie, wofür sie untersucht, wie liberale Ideen unser Denken über Demokratie und Digitalisierung geprägt und eingeschränkt haben.


Foto: Oliver Nachtwey copyright Suhrkamp